Zum 1. Mai 2026 tritt Christina-Maria Bammel ihr Amt als neue Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig an. Die Braunschweiger Zeitung hat vorab mit ihr gesprochen – über ihr Verständnis von Glauben, über kirchliche Verantwortung in bewegten Zeiten und darüber, was sie in Braunschweig vorhat.
Wer sie ist
Christina-Maria Bammel wurde 1973 geboren und war zuletzt als Pröpstin in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) tätig. Aufgewachsen in einem Pfarrhaus, ist sie mit kirchlichem Leben von Kindheit an vertraut. Theologisch geprägt ist sie von einer klaren evangelischen Grundhaltung – und zugleich von einer hohen Sensibilität für gesellschaftliche Fragen.
Wie sie tickt
In dem Interview wird deutlich: Für Bammel gehören Gottesliebe und Menschenliebe untrennbar zusammen. Christlicher Glaube ist für sie kein Rückzug ins Private, sondern eine Haltung, die sich im Alltag bewähren muss.
- Kirche soll nah bei den Menschen sein – gerade in Krisenzeiten.
- Sie versteht Kirche als antirassistisch und inklusiv.
- Christlicher Glaube bedeutet für sie, Verantwortung zu übernehmen – auch öffentlich.
- Weihnachten und Ostern sind für sie keine bloßen Rituale, sondern eine Kraftquelle inmitten von Leid, Krise und Unsicherheit.
Dabei wirkt sie weder polternd noch ideologisch. Sie beschreibt ihren Zugang als dialogisch und zugewandt. Sie weiß um Spannungen innerhalb der Kirche – zwischen Tradition und Reform, zwischen unterschiedlichen theologischen Prägungen – und setzt auf Besonnenheit statt Polarisierung.
Was sie vorhat
Inhaltlich zeichnet sich im Gespräch eine klare Linie ab:
Kirche als gesellschaftliche Stimme
Bammel sieht Kirche in der Pflicht, sich zu Fragen von Gerechtigkeit, Frieden und Zusammenhalt zu äußern. Kirche soll Position beziehen – nicht parteipolitisch, sondern aus dem Evangelium heraus.
Nähe zu den Gemeinden
Zugleich betont sie die Bedeutung der lokalen Gemeinden. Kirche geschieht vor Ort. Strukturelle Fragen werden kommen – aber sie sollen nicht Selbstzweck sein, sondern dem kirchlichen Auftrag dienen.
Ernstnehmen von Kritik und Vielfalt
Sie weiß, dass Reformprozesse auch Verunsicherung auslösen. Veränderungen sollen transparent und nachvollziehbar geschehen. Unterschiedliche Frömmigkeitsstile und Milieus haben ihren Platz.
Stärkung geistlicher Substanz
Kirche darf sich nicht allein über Organisation definieren. Gottesdienst, Seelsorge, Bildung und geistliche Praxis bleiben Kernaufgaben. Glaube braucht Tiefe – nicht nur Struktur.
Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) ist die evangelische Landeskirche für Berlin, Brandenburg und die schlesische Oberlausitz und Teil der Evangelischen Kirche in Deutschland. Im Unterschied zur Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, die lutherisch geprägt ist, vereint die EKBO lutherische und reformierte Traditionen in einer gemeinsamen Kirche (sie ist „uniert“).
